Ausgegraben

Die „Batschkapp“ an der Maybachstraße

Die Kneipenkultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigt sich hier in archäologischen Funden eines Ortes mit langer Wirtshaus-Tradition. Nahezu die gesamte Getränkekarte lässt sich anhand der gefundenen Objekte rekonstruieren.

Die „Batschkapp“ war den meisten Frankfurterinnen und Frankfurtern eine Institution. Das Kulturzentrum im Ortsteil Eschersheim, direkt an der Bahntrasse, bestand seit 1978 und wurde 2015 an dieser Stelle abgebrochen.
Das Gelände hat jedoch eine deutlich längere Geschichte. Ursprünglich befand sich hier der sog. Rühl´sche Hof, ein mittelalterlicher Stiftshof. Als 1914/15 ein neuer Weg durch das geschleifte Hofareal gelegt wurde, fanden sich zwischen der Straße und dem Bahndamm Scherben und Gruben der eisenzeitlichen Hallstattzeit.


Aus diesem Grund war die archäologische Denkmalpflegemit Hans-Jürgen Semmler als leitendem Grabungstechniker vor Ort, als der Abriss begann.
Es zeigte sich jedoch keine Vor-Geschichte. In einer Kloake und einem Brunnenschacht konnten ausschließlich Funde der Neuzeit gemacht werden. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die offensichtlich aus einem Wirtshaus stammen. Nahezu die gesamte Getränkekarte lässt sich anhand der Objekte rekonstruieren und ablesen. Scherben von Weingläsern und Weinflaschen dokumentieren den Rebensaft, gläserne Humpen enthielten Bier, das Gerippte stand natürlich für den Apfelwein bereit, aus kleinen Gläsern trank man Schnaps, kleine Flaschen dienten auch dem hochprozentigen Hausbrand, Porzellanverschlüsse gehörten zu Wasserflaschen – einziger Nachweis eines nicht alkoholischen Getränks, das vermutlich immer im Apfelwein zu finden war.


Damit nichts verloren ging, stellte man die Gläser auf gläserne Untersetzer und solche aus Porzellan. Die Untersetzer mit einem Durchmesser von zwölf cm besitzen im Tellerspiegel blütenförmige Vertiefungen. Erstmals wurden auch kleine Untersetzer mit einem Durchmesser von nur neun cm erfasst. In den Mulden sammelte sich das Getränk, vornehmlich Bier, und wurde anschließend ins Glas zurückgeschüttet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verdrängten die Bierdeckel aus Pappe die Glas- und Porzellanuntersetzer.
Ein fragmentierter gläserner Aschenbecher dokumentiert die verrauchten Wirtsstuben, die erst in jüngster Zeit durch das Rauchverbot durchlüftet, und die Aschenbecher verbannt wurden. Schließlich ist noch ein wenig Wechselgeld, hier jeweils 10 Reichspfennig, verloren gegangen.
Die Funde gehören alle an das Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts Sie stammen offenbar aus dem „Wirtshaus zum Bahnhof“ , einer Apfelweinkelterei mit Biergarten und einem großen Festsaal. Den „Bahnhof“ repräsentierte bis 1910 ein kleines Bahnhofsgebäude, direkt auf dem Gelände der späteren „Batschkapp“ .
Nach der Aufgabe des Gasthauses erfolgten ab 1948 Umbauten zu einem Lichtspieltheater, das „Metropol“ erfreute sich bis zu seiner Schließung 1965 großer Beliebtheit.
Es folgte eine Nutzung als Diskothek und schließlich 1978 als Kulturzentrum „Batschkapp“ mit Konzertsaal und Bar, Künstlerräumen, Büros, Lager- und Technikräumen sowie der Musikkneipe „Elfer“.


Der Abriss 2015 erfolgte so grundlegend, dass alle Spuren der Nutzung, einschließlich der Fundstücke aus dem „Wirtshaus zum Bahnhof“, beseitigt wurden, und in der Zukunft ein archäologischer Nachweis der Geschichte des Ortes nicht mehr möglich sein wird.

Andrea Hampel

Die Getränkekarte des Wirtshauses, ablesbar in den Funden (© D. Neumann, Denkmalamt Frankfurt)