Neues zum römischen NIDA

Das Nordtor – ein repräsentativer Neubau des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Aktuelle Ausgrabungen liefern neue Erkenntnisse über die nördliche Toranlage des römischen NIDA und ihr direktes Vorfeld. Überlagerte Siedlungsstrukturen belegen eine veränderte Stadtplanung an dieser Stelle in römischer Zeit.

 

Östlich des „Nordwestzentrums“, zwischen den Straßen Erich-Ollenhauer-Ring, Titusstraße und Rosa-Luxemburg-Straße inselartig vom Verkehr umtost, befand sich eine brachliegende Fläche, auf deren Nordende in einem Schutzraum zwei römische Töpferöfen präsentiert werden. Eine geplante Auslagerung der Feuerwache aus dem Einkaufszentrum machte aufgrund der vorgeschriebenen Einsatzzeiten der Feuerwehr einen benachbarten Neubau notwendig. Auf einer Fläche von 4212 qm wurde der neue Standort an dieser Stelle geplant.


Das Areal liegt im Bereich des Nordtores der römischen Stadt NIDA. Großflächige Baumaßnahmen in diesem Gebiet im Zuge des Baus der Nordweststadt, mit zugehörigen Straßen und einer U-Bahn-Trasse, wurden 1966 durch Dr. Ulrich Fischer, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte (heute Archäologisches Museum), beobachtet. Als Ergebnis wurden lediglich verschiedene römische Befunde im Bereich der Böschungen erfasst. Die Fläche des geplanten Neubaus blieb weitgehend unberührt. An der Westgrenze befindet sich der U-Bahntunnel, der aufgrund der offenen Bauweise mit einer Tiefenentwicklung von bis zu 15 m und entsprechender Böschung direkt am römischen Nordtor entlang verläuft.
Das Nordtor selbst wurde bereits 1881 und 1883 durch C. L. Thomas und O. Cornill dokumentiert. Es handelt sich um eine Anlage mit zwei quadratischen Türmen, dazwischen eine zweispurige Durchfahrt mit einer Spina. Auf beiden Seiten wurde die anschließende Stadtmauer erkannt. Tor und Stadtmauer sind das Ergebnis einer Umwehrung der Stadt im 3.Jahrhundert n. Chr. und kanalisierten an dieser Stelle den Verkehr der Hauptstraße, der sog. „Saalburgstraße“.


Im Rahmen der aktuellen Ausgrabungen zeigten sich nun unter anderem Teile des Nordtores und der Straße. Während sowohl der westliche Torturm als auch die Spina dem U-Bahnbau zum Opfer gefallen sind, lag der östliche Torturm vollständig im Grabungsfeld. Nur knapp war der herausragende Befund der Zerstörung durch die direkt westlich anschließende Baumaßnahme des U-Bahnschachtes und der südlich anschließenden Straßentrasse entgangen.
Der Turm war mit acht m Kantenlänge quadratisch, seine Mauerstärke betrug 1,80 bis 2 m. Tatsächlich springt der Turm rund 0,30 m über die Flucht der östlich anschließenden Stadtmauer zur Feldseite hin vor. Anders als in der Altgrabung dokumentiert, erreicht die Stadtmauer jedoch eine Breite von zwei m. Direkt davor schloss sich der Graben an, im Planum als dunkle Verfärbung deutlich zu erkennen. Der grabungstechnisch bedingt jedoch nur in einigem Abstand und in einer Breite von maximal 3,5 m erfasst werden konnte. Es zeigte sich jedoch, dass der Graben, welcher der Stadtmauer parallel folgte, am Tor durch eine Erdbrücke überfahren wurde – und nicht, wie bisher angenommen, überbrückt werden musste.
Bisher unbekannt war auch ein Mauervorsprung in der Mitte der Turmaußenwand in der Art eines Erkers.
An die Nordostecke des Torturms anschließend wurde die Stadtmauer als Ausbruchsgraben erfasst.


Überraschend hatten weder Tor noch Straße an dieser Stelle einen baulichen Vorgänger, vielmehr wurden ältere römische Siedlungsstrukturen überlagert, die auf eine veränderte Stadtplanung an dieser Stelle schließen lassen. Für Tor und Straße wurden ältere Siedlungsreste überbaut. Damit stellt nicht nur das Nordtor, sondern auch die großen Ausfallstraße einen Neubau des 3.Jahrhunderts n. Chr. dar.

Andrea Hampel

 

 

 

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Blick auf den östlichen Torturm; im Inneren werden ältere römische Befunde überlagert, nach Osten schließt sich die Stadtmauer an (© Denkmalamt Frankfurt)