Seltene Einzelfunde bei Feldbegehung

Riemendurchzug vom Pferdegeschirr aus dem Frühmittelalter

Gleich zwei sehr seltene Zierscheiben von Pferdegeschirr aus der Merowingerzeit wurden in Bergen-Enkheim und Niedereschbach gefunden. Repräsentatives Pferdegeschirr betonte die herausgehobene soziale Stellung des Reiters.

 

Auch im Frankfurter Stadtgebiet unterstützen ehrenamtliche Mitarbeiter die Arbeit der Bodendenkmalpflege. Darunter sind auch Feldbegeher, die im Auftrag des Denkmalamtes und mit amtlicher Genehmigung Ackerflächen in Frankfurt auf der Suche nach archäologischen Fundstellen sachgerecht absuchen und die Fundstellen sorgfältig dokumentieren.
Dabei werden zum Teil ausgedehnte Fundstellen erkannt, aber auch Einzelfunde geborgen - beispielsweise sind einzelne Münzen typische Verlustfunde, während etwa Scherben eher für eine Siedlungsstelle stehen.
Es werden bei diesen Prospektionen auch Einzelfunde gesammelt, die sich einer direkten Ansprache entziehen, weil sie teilweise stark fragmentiert oder schlicht nicht zu bestimmen sind.
Gelegentlich werden jedoch auch Einzelfunde gemacht, die für sich selbst sprechen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um zwei sehr seltene Fundstücke, die im gleichen Zeitraum von zwei unterschiedlichen Feldbegehern in Bergen-Enkheim und in Niedereschbach auf Äckern gefunden wurden.


So fand D. Pittenger auf einem Feld an der Stadtgrenze südlich des Bad Vilbeler Stadtwaldes eine in drei Teile zerbrochene Bronzescheibe. Die Scheibe ist nur 1-2 mm dick und hat einen Durchmesser von rund 6,1 cm. In einem 1,3 cm breiten Bronzering mit Rillenzier ist ein springendes Pferd zu sehen. Das Pferd ist sorgfältig gearbeitet. Sowohl die Mähne als auch die Augen und die Beine sind fein herausgearbeitet, der Schweif ist verloren. In der Mitte ist der Zirkelpunkt markiert, die Rückseite des Fundstücks ist glatt. Oberhalb und unterhalb des Tieres ist eine rechteckige Aussparung von 2,6 x 0,8 cm vorhanden.


Gleichzeitig beging W. Quader im Auftrag des Denkmalamtes Ackerflächen in der Gemarkung Niedereschbach. Dabei konnte er nahe der Stadtgrenze am Taunenweg ebenfalls eine fragmentierte Bronzescheibe finden. Es handelt sich ebenfalls um eine 1-2 mm starke Scheibe, im Inneren eines rillenverzierten Rings ist ein Pferd dargestellt. Während der Kopf mit geöffnetem Maul und die Vorderbeine erhalten sind, ist der Rest verloren. Oberhalb des Pferdes ist die Bruchkante eines rechteckigen Durchzugs erkennbar. Die zweite rechteckige Aussparung kann am unteren Ende rekonstruiert werden, allerdings zeigt ein Vergleichsfund aus Trebur nur einen oberen Durchzug, war also angehängt.
Das Fundstück aus Niedereschbach ist in der Darstellung des Pferdes einfacher gehalten als das Stück aus Bergen-Enkheim und weniger detailliert ausgearbeitet.
Beide Bronzescheiben sind sich in den Maßen sehr ähnlich, was auch für den Vergleichsfund aus Trebur gilt, der 1975 ebenfalls als Einzelfund gemeldet wurde.


Grundsätzlich lassen sich die Fundstücke den Zierscheiben der Merowingerzeit zuordnen (IIC nach D. Renner), allerdings unterscheiden sich diese Objekte von der Mehrzahl der Zierscheiben durch eine beziehungsweise zwei rechteckige Öffnungen. Es handelt sich hierbei offenbar um Riemendurchzüge, um rechteckige Öffnungen hinter der Pferdedarstellung, durch die ein Lederriemen gezogen wird. Auf diese Weise erscheinen die Pferdchen aufrecht vor einem braunen beziehungsweise dunklen Lederhintergrund. Berücksichtigt man die ursprünglich glänzende Oberfläche der Bronzen, wird damit ein eindrucksvolles Pferdegeschirr deutlich.
Grundsätzlich gehören Reiter zur frühmittelalterlichen Oberschicht, repräsentatives Pferdegeschirr betont die herausgehobene soziale Stellung zusätzlich. Beide fränkischen Reiter haben den Verlust der Zierscheiben sicher bedauert.

Andrea Hampel

 

 

 

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Bronzescheibe mit Pferdedarstellung aus Bergen-Enkheim (©A. Steinruck, Denkmalamt Frankfurt)

 

 

Bronzescheibe mit Pferdedarstellung aus Niedereschbach (© A. Steinruck, Denkmalamt Frankfurt)