Archäologie in der Altstadt

Teure Ausstattung – Luxusgläser aus der Kloake

Bei den mittelalterlichen Trinkgläsern aus einer Kloake des Frankfurter Saalhofs handelt es sich um Luxusgüter der adeligen Stände, das übrige Volk trank aus Tonbechern und -flaschen. Die auffallend gute Glasqualität ist für die seltenen Fundstücke charakteristisch.


Die Neubebauung des Areals um den historischen Saalhof berührt eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Areale der Frankfurter Altstadt. Der Saalhof geht in seinen Ursprüngen auf das 12.Jahrhundert zurück und ragte als Hafenburg weithin sichtbar mit seinem Wohnturm in das Mainbett hinein. Daneben steht der Palas und auch die etwas jüngere Kapelle ist vorhanden. Im 13. Jahrhundert war sie Reichslehen und Sitz des Stadtschultheißen und ab 1333 in der Hand des Frankfurter Patriziers Jakob Knoblauch.


Sowohl der Saalhof als auch die anderen, anschließenden repräsentativen Gebäude, der barocke Bernusbau und der frühhistoristische Burnitzbau, zeigen dies bis heute, jetzt als Gebäudeteile des Historischen Museums Frankfurt. Bis in das 17. Jahrhundert hinein galt das Gelände als Reichslehen.
Der Saalhof war seit seiner Erbauung von stadtgeschichtlicher Bedeutung und diese Bedeutung wird auch in der Qualität und Ausführung der Gebäude, z.B. an repräsentativen Buckelquadern, Fußböden mit geprägten Bodenfliesen oder beheizten Räumen, deutlich. Neben diesen Nachweisen sind auch die Fundstücke von besonderer Qualität, zum Beispiel wäre hier der Fund einer Flöte zu nennenIm Rahmen der Baumaßnahmen konnten auch im Frühjahr 2015 zahlreiche Befunde der Stauferzeit dokumentiert werden, dabei auch Kloaken mit ihrer letzten Einfüllung.
Neben den zerbrochenen Küchengeschirren bestätigen zum Beispiel unglasierte Hörnchenkacheln die bereits erwähnte Ausstattung der Räume mit Heizöfen.


In einer Kloake St. 243, östlich anschließend an die Ostmauer des Palas, konnten verschiedene Glasscherben geborgen werden. Es handelt sich einmal um Scherben von sogenannten gestauchten Flaschen , wobei die Reste durch die Lagerung in einem Toilettenschacht undurchsichtig und braun verfärbt geborgen wurden.
Ganz anders verhält es sich mit Bruchstücke von insgesamt vier Trinkgläsern. Während zwei nur durch Bodenscherben nachweisbar sind, können zwei besser erhaltene Gläser hier vorgestellt werden. Es handelt sich einmal um ein farbloses, zylindrisches Glas mit Standring und Zackenfuß. Über die Gefäßwandung sind zahlreiche kleine Noppen verteilt, ein glatter Trichterhals mit schalenartiger Lippe kann vorausgesetzt werden.
Das andere Glas erreicht eine Höhe von 12,5 cm. Auf einen Standring mit Zackenfuß von 6,5 cm Durchmesser folgt ein weiter Trichterhals mit schalenartiger Lippe, die einen Durchmesser von 11,5 cm erreicht. Der zylindrische Körper ist abwechselnd mit horizontal verlaufenden Glasfäden, farblos und kobaltblau, verziert.


Grundsätzlich sind Trinkgläser dieser Zeit nur selten nachgewiesen. Es handelt sich um Luxusgüter der adeligen Stände, das übrige Volk trank aus Tonbechern und Tonflaschen. Die Trinkgläser können in die Zeit zwischen 1250 und 1350 datiert werden. Die auffallend gute Glasqualität ist für die wenigen Vergleichsfunde charakteristisch und zeigt sich im aktuellen Befund in der herausragenden Erhaltung, trotz der aggressiven Einfüllung eines Toilettenschachtes. Im Gegensatz hierzu sind die Scherben der einfachen, gestauchten Flaschen kaum mehr als Glas zu erkennen.
Lange Zeit ging man davon aus, dass solche Meisterstücke der Glasmacherkunst aus dem italienischen Murano, der Hochburg der mittelalterlichen Glaskunst, stammen. Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Glashütten spätestens ab 1300 in ganz Westeuropa in waldreichen Gebieten entstanden – Ortsnamen wie Glashütten im Taunus sind Programm. Die vorgestellten Trinkgläser fehlen bisher im Fundgut in Italien und Südfrankreich, so dass für diese Fundstücke eine Herstellung in Süddeutschland oder der Nordschweiz vorgeschlagen wird.

 

Andrea Hampel

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