Ausstellungs-Rückblick

»Gladiatoren. Tod und Triumph im COLOSSEVM«

Die Sonderausstellung »Gladiatoren. Tod und Triumph im COLOSSEVM« (27. 9. 2014 bis 1. 3. 2015) konnte die Besucher mit einmaligen archäologischen Fundstücken begeistern. Die große Resonanz bei Schulklassen zeigt die Bedeutung des Archäologischen Museums Frankfurt als wichtigem außerschulischem Lernort im Rhein-Main-Gebiet. 


„Jegliche Leistung schwindet vor des Kaisers Amphitheater/ Ein Werk allein feiert künftig statt aller der Ruhm“. Mit diesen Versen verneigte sich der römische Dichter Martial anlässlich der hunderttägigen Eröffnungsfeierlichkeiten im Jahre 80 n. Chr. vor einem Bauwerk und seinem Bauherrn, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat – dem COLOSSEVM.


Den Besuchern des Archäologischen Museums Frankfurt eröffneten sich in der Sonderausstellung vom 27. September 2014 bis zum 1. März 2015 neue Perspektiven auf die kaiserliche Spielstätte im Herzen Roms, dem größten Amphitheater aller Zeiten, und ihre Protagonisten – den Gladiatoren.
Die von der Direktorin des UNESCO-Weltkulturerbes COLOSSEVM, Frau Dr. Rossella Rea, kuratierte Ausstellung konnte die Besucher mit einmaligen Originalfunden aus den Sammlungen international renommierter Museen begeistern, die im Rahmen der Ausstellung, die im Anschluss in Kanada und Finnland präsentiert wird, erstmals außerhalb Italiens zu sehen sind. Leihgeber waren das Colosseo in Rom, das Museo Archeologico Nazionale in Neapel sowie das Museo Civico Archeologico in Bologna. Die herausragenden italienischen Exponate wurden um ausgewählte Frankfurter Funde aus den Beständen des Archäologischen Museums ergänzt, die den Besuchern die Gladiatorenbegeisterung im römischen Frankfurt – ein bis in die äußerste Peripherie des Imperiums verbreitetes Phänomen – vermittelten. Besondere Beachtung darunter verdient ein aufwendig rekonstruierter Klappmessergriff in Form eines Gladiators (s. Bericht in diesem Band).


Die populären Themen der von der Dr. Marschner Stiftung geförderten Ausstellung trafen mit über 28.000 Besuchern auf großes Interesse; besonders erfreulich war dabei die große Resonanz bei den Schulen und Kindertagesstätten der Großraumregion Frankfurt. Insgesamt 212 gebuchte Führungen dieser Besuchergruppe unterstreichen die Bedeutung des Archäologischen Museums Frankfurt als wichtigem außerschulischem Lernort im Rhein-Main-Gebiet.


Einen besonderen Blickwinkel auf das in der Antike als achtes Weltwunder gefeierte Bauwerk ermöglichten die speziell konzipierten öffentlichen Führungen »Stein auf Stein...das COLOSSEVM in Rom«, in denen der Steinrestaurator Thomas Flügen im Zusammenspiel mit dem Archäologen Dr. Carsten Wenzel die Architektur, aber auch Fragen der Bauweise und Bearbeitungstechniken des Steinmaterials in den Fokus nahm.
Für den Besuch von Familien wurden die komplexen Ausstellungsthemen im Rahmen der Taschenlampenführungen und eines Rätselhefts, das sich mehr als 2.000 mal verkaufte, kindgerecht aufgearbeitet.


Mit einer in Kooperation mit dem Jüdischen Museum stattfindenden Vortragsreihe, die den Zuhörern vertiefende und unterhaltsame Einblicke in die aktuelle archäologische Forschung zu den Themen der Sonderausstellung vermittelte, war das Archäologische Museum Schnittstelle und Begegnungsraum von herausragender Wissenschaft und einer breiten, interessierten Öffentlichkeit.


Besondere Glanzlichter und außerordentliche Publikumserfolge im Rahmenprogramm der Ausstellung waren die unter dem Motto „Geschichte wird lebendig!“ stehenden Aktionstage für die ganze Familie, die Wissenschaft zum Anfassen boten. Der renommierte Experimental-Archäologe Dr. Marcus Junkelmann, der führende Experte auf dem Gebiet der römischen Gladiatur, erläuterte an authentisch ausgestatteten Gladiatoren seiner familia die Ausrüstung, Waffen und Kampftechniken der verschiedenen Gladiatorengattungen sowie den Ablauf der Kämpfe in den römischen Amphitheatern. Untermalt von Tuba und Cornu wurde der Garten des Museums sogar selbst zur Arena: die packenden Zweikämpfe der Gladiatoren, die unter begeisterter Anfeuerung eines großen Publikums nicht ganz ohne Blessuren vonstattengingen, führten eindrucksvoll die große Dynamik antiker Gladiatorenkämpfe vor Augen.


Musik spielte bei der aufwändigen Inszenierung der Gladiatorenkämpfe eine wichtige Rolle. Der Musik-Archäologe Hagen Pätzold erweckte mit römischer Tuba und Cornu, einem originalgetreuen Nachbau des Fundes aus dem Amphitheater in Pompeji, in der illuminierten Karmeliterkirche den Klang der Arena zu neuem Leben. Meisterhaft intonierte Musikstücke aus der Zeit des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. entführten die Besucher akustisch in die Welt der Antike, aufschlussreiche Erläuterungen gaben unterhaltsame Einblicke in römische Musik und Instrumentenbau.


Für alle Besucher, die durch ihren Ausstellungsbesuch angeregt wurden, noch mehr über die wechselvolle Geschichte des COLOSSEVMS und die Welt der Gladiatoren zu erfahren, präsentierte das Archäologische Museum eine eigens zur Sonderausstellung konzipierte Homepage. Das umfangreiche Online-Angebot – die Web-Arena – bot, kompakt, unterhaltsam und informativ aufbereitet, zahlreiche Hintergründe und Zusatzinformationen – von Rezepten der Gladiatorenernährung zum Nachkochen bis hin zur Rezeptionsgeschichte des COLOSSEVMS in der Neuzeit.

Matthias Dieler und Kim Hofmann

Blick in die Sonderausstellung (© AMF)

 

 

Aus dem Besucherbuch (© AMF)