Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden von Frankfurter Bürgern, vor allem Künstlern und Kaufleuten, Sammlungen griechischer und römischer Antiken zusammengetragen. Aus ihren Sammlungen gelangten sie seit der Gründung des Historischen Museums 1878 bzw. des Museums für Vor- und Frühgeschichte 1937 in den Besitzder Stadt Frankfurt, eine Tradition, die bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts vom jetzigen Archäologischen Museum gepflegt wurde. Zusätzlich wurden die Bestände bis zum selben Zeitpunkt durch Ankäufe aus Privatbesitz und dem Kunsthandel ergänzt und erweitert.

Eine Abteilung Alter Orient besitzt das Museum erst seit dem Jahr 1948, als die Luristan-Sammlung von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg durch die Stadt Frankfurt erworben wurde. Bis in die 90er Jahre wurde auch diese Abteilung durch Schenkungen und Ankäufe kontinuierlich erweitert, so daß die Sammlung iranischer Antiken derzeit eine der umfangreichsten in Deutschland ist.

Der Schwerpunkt in beiden Abteilungen liegt auf der antiken Kleinkunst, Keramiken, Bronzen, Glas, Schmuck etc. Da größere Teile des nur zu einem geringen Prozentsatz in der Dauerausstellung gezeigten Sammlungsbestandes bis vor zwanzig Jahren nicht einmal erfaßt waren und noch immer unpubliziert sind, besteht die Aufgabe der jeweiligen Abteilungsleiter vor allem in der Aufarbeitung der Bestände und ihrer Publikation. Relativ gut bekannt gemacht sind die Bestände griechischer Keramik. Durch die Publikationen der vergangenen Jahre wird nun auch ein Einblick in die übrigen Bestände gewährt.

In Vorbereitung sind zwei größere Publikationen zu den Antiken aus Campanien, die auf Grund der Sammlungsgeschichte (Übernahme von Teilen der Sammlung Bourguignon im Jahre 1907) in großer Zahl und Variationsbreite in der Sammlung vertreten sind, sowie zu den Überresten antiker Bauaustattung vom archaischen Antefix bis zum Mosaiksteinchen.

Durch die Erwerbung eines großen früharchaischen Komplexes faliskischer und latialer Keramik und die Bemühung um seine Publikation hat sich eine Zusammenarbeit mit einem Mainzer Kollegen ergeben, die zur Aufnahme aller frühen italischen/etruskischen Objekte der Sammlung führen soll.

Ausgeschlossen von einer baldigen Publikation bleiben vorerst die größeren Bestände an Terrakotten, Lampen und etruskischer Keramik, da es in für den Kulturbereich schwierigen Zeiten einfacher sein wird, für geschlossene, große Komplexe Möglichkeiten der Bearbeitung und Publikation zu finden als für die disiecta membra.

Ein Forschungsschwerpunkt der Abteilung Klassiche Antike liegt darüber hinaus auf der Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte. So arbeitete die ehemalige Abteilungsleiterin D. Stutzinger zusammen mit einem Kollegen der Universität Halle ausgehend von einer Galerie römischer Imperatoren in Eichstätt an einer Untersuchung zur Antikenrezeption des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland.

Die Abteilung Alter Orient hat keinen eigenen wissenschaftlichen Leiter und wird vom der Leiter der Abteilung Klassische Antike im Rahmen seiner Möglichkeiten und in Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Seminar für Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients an der Universität Frankfurt mitbetreut. Geplant ist derzeit eine Aufnahme und Publikation aller im Museum befindlichen iranischen Bronzen und Keramiken.
Einen geringen Überblick über die Sammlung bietet der Auswahlkatalog aus dem Jahr 1984; die dort publizierten Gegenstände machen jedoch nicht mehr als ein Zehntel des vorhandenen Bestandes aus.

 

 

Überblick über die Sammlungsgeschichte:

D. Stutzinger
Griechen, Etrusker und Römer
Eine Kulturgeschichte der antiken Welt im Spiegel der Sammlungen
des Archäologischen Museums Frankfurt (2012), S. 14ff.

Begegnungen.
Frankfurt und die Antike: Festschrift für Hans Steuben (1994)
S. 263 ff.

Archäologische Reihe Bd. 12
Die Dauerausstellung (1989), S. 85ff.

 

Überblick über die Bestände der Antikensammlung:

J. von Freeden
Antikensammlung. Ausgewählte Werke
in: Archäologische Reihe Bd. 5 (1992)

 

Weiterer Überblick:

H. Schaal
Griechische Vasen aus Frankfurter Sammlungen
(1923)

K. Deppert
CVA Frankfurt 1 – 3
(1964.1968.1982)

Archäologische Reihe Bd. 12
Die Dauerausstellung
(1989), S.85ff.

S. Schäfer – L. Marczoch
Lampen der Antikensammlung
in: Archäologische Reihe Bd. 13 (1990)

D. Stutzinger et al.
Neuerwerbungen
in: Archäologische Reihe Bd. 16 (1999)

M. Andres – D. Stutzinger
Museum für Vor- und Frühgeschichte [Frankfurt am Main]
Bilder und Texte zur Dauerausstellung
Antikensammlung Keramik
(2000)

wasserauslaufuhr

D. Stutzinger
Eine römische Wasserauslaufuhr
Museum für Vor- und Frühgeschichte – Archäologisches Museum Frankfurt am Main
in: Patrimonia 195 (2001)

 

Iranischen Antiken:

W. Meier-Arendt
Bronzen und Keramik aus Luristan
in: Archäologische Reihe Bd. 4 (1984