Die Bestände der prähistorischen Abteilung umfassen in erster Linie die vorrömische Zeit des Frankfurter Stadtgebiets. Funde der näheren Untermaingebiet) und weiteren (In- und Ausland) Umgebung sind sammlungsgeschichtlich zu erklären. Aus der aktuellen Arbeit der städtischen archäologischen Denkmalpflege kommen ständig neue Funde und Fundkomplexe hinzu.


Zeichen und Zier:

schale

älterbandkeramische Schale aus Niederescbach, 5500 – 5300 v. Chr.

 

glockenbecher

spätneolithischer Glockenbecher aus Eschersheim, 2500 – 2250 v. Chr.


Die Anfänge der Sammlung reichen zurück bis in das frühe 18. Jahrhundert, doch systematisch ausgebaut wurde sie erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als planmäßige archäologische Grabhügeluntersuchungen im Stadtwald unternommen wurden.

Eine der ersten großen Flächengrabungen Deutschlands fand im Vorfeld der Baumaßnahmen für die Hafenbecken des Osthafens in den Jahren 1909/1910 statt. Man sicherte Grab- und Siedlungsfunde unterschiedlicher Zeitstellung, darunter germanische Funde der römischen Kaiserzeit.

Von internationaler Bedeutung sind – im Norden Frankfurts – eine große Siedlung aus der frühesten Phase mitteleuropäischen Bauernkulturen (Bernhard 1998; Hampel 1992), sowie ein früheisenzeitliches Fürstengrab der Eichlehen-Grabgruppe im Stadtwald (Fischer 1979; Willms 2002). Für alle Zeitabschnitte hat die prähistorische Sammlung interessante, z.T. sogar herausragende Funde zu bieten (Meier-Arendt 1989; Gallay 1987).

Im Jahr 2001 übernahm Verf. die Abteilung „Prähistorische Archäologie“. Der notwendigen Neugestaltung der Ausstellung kamen die Kenntnisse über Steinbearbeitung und Handel im Neolithikum (Willms 1980; Willms 1982) und vielfältige eigene Forschungen zur „Ernährung“ und „Umwelt“ (Willms 1993) zugute. Auch die Erfahrung vieljähriger Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der „Archäometallurgie“ konnte eingebracht werden (Jockenhövel/Willms 2005).

Die jetzige prähistorische Schausammlung versteht sich in Aufbau, Fundauswahl sowie Wort und Bild als allgemein verständlicher Einstieg in die Vorgeschichte Frankfurts (Willms 2006). Die räumlichen Gegebenheiten des Museums legten eine Zweiteilung in „Steinzeiten“ einerseits und „Metallzeiten“ andererseits nahe.

Inhaltlich zeigt eine Kombination aus chronologischer Abfolge und sachlicher Zusammengehörigkeit schwerpunktmäßig den „Nahrungserwerb“ in diachroner Betrachtung. Gleichzeitig wird die gesellschaftliche Entwicklung unter dem Blickwinkel von „Spezialisierung und Herrschaftsbildung“ aufgezeigt.

Literatur

G. Bernhard 1998
Frankfurt am Main Niedereschbach,
ein ältestbandkeramischer Siedlungsplatz
Teil 2: Die Funde
Beiträge zum Denkmalschutz in Frankfurt am Main
Bd. 10

(Frankfurt 1998)

G. Gallay
Vorgeschichtlicher Schmuck aus Mitteleuropa
im Frankfurter Museum für Vor- und Frühgeschichte
Archäologische Reihe 9 (Frankfurt 1987)

A. Hampel 1992
Frankfurt am Main Niedereschbach,
ein ältestbandkeramischer Siedlungsplatz
Teil 1: Die Befunde
Beiträge zum Denkmalschutz in Frankfurt am Main
Bd. 5

(Frankfurt 1992)

U. Fischer 1979
Ein Grabhügel der Bronze- und Eisenzeit
im Frankfurter Stadtwald
Schriften des Frankfurter Museums
für Vor- und Frühgeschichte 4
(Frankfurt 1979)

W. Meier-Arendt 1989
Die Dauerausstellung
Einführung in die Abteilungen
Archäologische Reihe 12 (Frankfurt 1989),
Seite 18 – 37

Chr. Willms 1993
Mensch und Natur in der Jungsteinzeit
(Frankfurt 1993)

 

keltenfuerst


Ders. 2002

Der Keltenfürst aus Frankfurt
Macht und Totenkult um 700 v. Chr.
Archäologische Reihe 19 (Frankfurt 2002)

Chr. Willms 2006
Steinzeit in Frankfurt
Überblick und Ausstellungsbegleiter
Archäologische Reihe 21 (Frankfurt 2006)