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Brandgrab eines Kleinkindes (1. Viertel 2. Jh. n.Chr.) aus den Grabungen 2014/15 vor dem Nordtor Nidas.
Foto: Denkmalamt der Stadt Frankfurt

„Auf dem Heidenfelde, diesem teutschen Pompeji, wird sich noch durch weitere Nachgrabungen entwickeln, wer dort das (...) Castrum angelegt und die römische Veteranen-Colonie gegründet hat; (...) und welchen Namen die daraus gewordene Stadt (...) führte (...).
Das genannte „Heidenfeld“ zwischen Praunheim und Hedernheim bleibt bis dahin die wichtigste Fundgrube für die Nassauische Alterthums-Gesellschaft.“

Johann Isaak von Gerning (1767–1837)

Fast zweihundert Jahre sind seit diesen Sätzen des Frankfurter Gelehrten Johann Isaak von Gerning vergangen. Sein Wort vom „teutschen Pompeji“ wird bis auf den heutigen Tag zitiert, um die Bedeutung der Kleinstadt NIDA/Frankfurt am Main-Heddernheim für die Erforschung der römischen Epoche im Rhein-Main-Gebiet hervorzuheben. Dabei schwingt ein Unterton des Bedauerns über den Verlust mit, der durch die Zerstörung dieser größten archäologischen Fundstelle der Römerzeit in Hessen im Lauf des 20. Jahrhunderts entstand. Dessen ungeachtet ermöglichen uns heute die seit dem späten 19. Jh. ausgeführten Grabungen, in Nida die Geschichte und Struktur eines Civitas-Hauptortes beispielhaft für den Nordwesten des Römischen Reiches nachzuzeichnen.

Die Ergebnisse dieser Forschungen werden seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem in den „Schriften des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte“, jetzt „Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt“, veröffentlicht. Neben der Vorlage teilweise umfangreicher Grabungsprojekte (zu Gräberfeldern, Steinkastell, Vicus, Stadtmauer, und den Töpfereien) schließt dies die Publikation ausgewählter Materialgruppen aus der antiken Kleinstadt an der Nidda (Glas, Terrakotten, Wetterauer Ware, Beinobjekte, Graffiti, Tonlampen aus Nieder Produktion) und zu übergeordneten Fragestellungen (NIDA im 3. Jh.) ein. Ergänzend dazu liegen Auswahlkataloge zu den Steindenkmälern, dem Mithraskult, den Münzen und Bronzefunden ebenso in der „Archäologischen Reihe“ des Museums vor wie Überblicksdarstellungen zu den Gräberfeldern und dem rekonstruierten Freskenraum.

Einen guten, wenn auch nicht mehr ganz aktuellen Überblick zum Forschungsstand bietet bis heute der Führer von Ingeborg Huld-Zetsche: NIDA – Eine römische Stadt in Frankfurt am Main. Schriftenreihe des Limesmuseums Aalen 48 (1994).

Das Archäologische Museum übernimmt im Rahmen der Stadtarchäologie die Inventarisierung, Restaurierung, Aufbewahrung sowie in ausgewählten Fällen die museale Präsentation des bei Grabungen des Denkmalamtes der Stadt Frankfurt geborgenen Fundmaterials. Diese seit Jahren bewährte Kooperation schlägt sich auch in der gemeinsamen Entwicklung und Umsetzung von Forschungsprojekten nieder. Aktuell umfasst die Zusammenarbeit im Bereich der römischen Epoche die Auswertung der Grabungen der Jahre 2001/2002 im augusteischen Stützpunkt in Frankfurt am Main-Höchst sowie die Aufarbeitung der herausragenden Depotfunde aus der Mitte des 3. Jahrhunderts in Frankfurt am Main-Nieder-Eschbach. Die Aufarbeitung des Gräberfeldes eines römischen Gutshofes bei Frankfurt am Main-Zeilsheim im Rahmen eines DFG-Projektes liegt seit 2016 als Band 26 der Schriftenreihe vor.

Innerhalb Frankfurts steht mit dem Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität ein weiterer wichtiger Kooperationspartner zur Verfügung. Dort wie auch an weiteren Hochschulen entstanden in den vergangenen Jahren studentische Abschlussarbeiten zu „Nidenser“ Themen.



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Ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für Geowissenschaften der Universität Frankfurt am Main befasst sich mit der petrographischen Untersuchung der Naturwerksteine Frankfurts als Quellen der römischen und frühmittelalterlichen Geschichte der Stadt. Im Rahmen einer Dissertation werden zur Zeit die Vulkanite aus den Beständen des Museums aufgearbeitet.

Die Neuaufstellung des Lapidariums im Kreuzgang des Klosters war Anlass sich dem Thema „Steinwerkstatt“ zu widmen. Dafür wurden von Restaurator Thomas Flügen Werkzeuge und Skulpturen aus dem Archiv zusammengestellt und erstmalig die Rekonstruktion einer Steindrehbank realisiert.

Aktuelle Arbeiten zum römischen Frankfurt (Auswahl):

P. Fasold/A. Hampel/M. Scholz/M. Tabaczek
Der römische Bestattungsplatz von Frankfurt am Main-Zeilsheim. Grabbau und Gräber der provinzialen Oberschicht.
Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 26 (Regensburg 2016).

P. Fasold
Von Augustus bis Aurelian. Neue Forschungen zum römischen Frankfurt.
In: F. M. Ausbüttel/U. Krebs/G. Maier (Hg.), Die Römer im Rhein-Main-Gebiet (Stuttgart 2012) 41-54.

P. Fasold
Die Bestattungsplätze des römischen Militärlagers und Civitas-Hauptortes NIDA (Frankfurt am Main-Heddernheim und -Praunheim).
Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 20/1-3 (Frankfurt a. M. 2006/2011).

I. Huld-Zetsche
Die Lampen aus den römischen Töpfereien von Frankfurt am Main-Nied.
Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 25 (Regensburg 2014).

R. Kubon
Forschungen zum römischen Höchst, Stadt Frankfurt am Main 1. Katalog der Fundstellen in Frankfurt-Höchst und Umgebung.
Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 23/1 (Frankfurt a. M. 2011).

A. Reis
NIDA-Heddernheim im 3. Jahrhundert n. Chr. Studien zum Ende der Siedlung.
Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 24 (Frankfurt a. M. 2010).