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Neue Herren: Alamannen und Franken

Das Mittelalter beginnt

Welche kulturellen Veränderungen gehen mit dem Verlust der römischen Herrschaft im Untermaingebiet einher und wer waren die neuen Herren?

Das frühe Mittelalter, die Epoche der Alamannen und Franken (3. – 7. Jh. n. Chr.), wird dank der reichen Beigaben im Spiegel ihrer Gräber fassbar.

Die Toten wurden in ihren prachtvollen Trachten bestattet, Waffen künden von Status und Selbstverständnis der Männer. Die Zeit der Alamannen im Rhein-Main-Gebiet dauerte etwa 250 Jahre lang, ehe die fränkischen Merowinger im 5. Jh. die Herrschaft übernahmen. Nun entstanden anstatt der kleinen alamannischen Bestattungsplätze große Reihengräberfelder mit bis zu mehreren Tausend Gräbern – Niederursel, Praunheim und Nieder-Erlenbach sind die wichtigsten Frankfurter Fundplätze dieser Zeit. Die bedeutendsten Grabensembles werden in der Ausstellung gezeigt und offenbaren viel über das Leben in der Zeit des Frühmittelalters.


Das Mädchen und der Bär

Ein dunkles Geheimnis umgibt das etwa 5-jährige Mädchen, das Ende des 7. Jh. unter dem heutigen Dom mit kostbarem Gold- und Silberschmuck, Riechdose, Amulett-Gürtelkette, und reichen Speise- und Trankbeigaben beigesetzt wurde. Sicherlich gehörte sie zur Familie des Verwalters des fränkischen Königshofes. Über der Leiche lag ein Tuch mit einem eingestickten Kreuz aus Goldfäden.

Zusammen mit ihr war ein zweites Kind bestattet – doch dieses war in ein Bärenfell gewickelt auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden. Die altgermanische Bestattungssitte war den Franken fremd, hatte aber in Skandinavien und auch Norddeutschland die Zeiten überdauert. Wer war dieses zweite Kind?

Der Domhügel – Keimzelle und Geburtsort einer Stadt

Wo liegen die Wurzeln der Main-Metropole? In der St. Anna-Kapelle stellen wir die Archäologie des Frankfurter Domhügels vor – mit Fundstücken vom Neolithikum über die Römerzeit bis ins Mittelalter.

Die alamannische Siedlung auf dem Domhügel mit der strategisch bedeutenden Furt über den Main wurde fränkisches Königsgut und „Furt der Franken“. Die fränkische Besiedlung und die karolingisch-ottonischen Pfalzanlage, um die sich die spätere Stadt entwickelte, stehen im Zentrum des Themenschwerpunkts.

Neben kunstvollen Kleinfunden sind das Segment eines römischen Wasserverteilungsbeckens, Mauerteile der Königshalle und der ältesten Stadtmauer sowie das Modell der Pfalzanlage des 9. Jhs. besonders aufschlussreich.


Gruft der Kaufleute

Die Gruft der Annenkapelle (15. Jh.) wurde in den Jahren 1981/82 archäologisch ausgegraben. Mittlerweile ist sie begehbar und dient als Ausstellungsraum für frühmittelalterliche Schmuckstücke, frühbyzantinische Sakralobjekte und die Beigaben aus Gräbern der Karmeliterkirche selbst.

1481 gründeten Kaufleute verschiedener Herkunft die bedeutende St. Anna-Bruderschaft. Sie hatte seit 1501 das vertraglich fixierte Recht, die Kapelle für ihre Andachten zu nutzen und die verstorbenen Mitglieder hier zu bestatten. Die Inschrift des Verschlusssteins verkündet: h(i)c est sepultura fr(atru)m (dies ist die Begräbnisstätte der Brüder). Bei den Ausgrabungen konnten zahlreiche Sarg-Bestattungen mit christlichen Beigaben und eine große Zahl verstreuter menschlicher Skelette dokumentiert werden.