juno

Während Ausschachtungsarbeiten auf dem Grundstück des Deutschen Architekturmuseums am Schaumainkai stieß man auf eine zerbrochene Sandsteinfigur. Nach erfolgter Fundaufnahme durch das Denkmalamt der Stadt Frankfurt wurde der Fund dem Archäologischen Museum zur Restaurierung übergeben. Die beteiligten Institutionen kamen überein, dass die restaurierte Skulptur als Dauerleihgabe zukünftig im Deutschen Architekturmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Die nackte Frauenskulptur stützt sich an einen Baumstumpf, nur im Schambereich ist sie durch ein Tuch bedeckt. Am rechten Unterschenkel der Frau ist ein Pfau dargestellt. Durch dieses Attribut wird sie als antike Göttin Hera (griechisch) oder Juno (römisch) ausgewiesen.

Die Figur ist 1,45 m groß, vollplastisch und aus rotem Buntsandstein herausgearbeitet. Sie war unter Einbeziehung der zusätzlich geborgenen Fragmente relativ vollständig erhalten. Der Kopf, Teile der Pfauenfigur und einzelne kleinere Stücke sind abgebrochen. Verloren sind der rechte Unterarm, die rechte Brust und der Pfauenkopf. Weitere Schadensbilder sind anhaftender Kalkmörtel und Fehlstellen in der Oberfläche. Besonders erwähnt werden sollten Reste der ehemaligen weißen Bemalung auf der Rückenpartie der Figur, laut Analyse ölgebundenes Bleicarbonat, das sich aber leicht von der Steinoberfläche ablöste.

Während der Restaurierung wurde die Figur mechanisch gereinigt, die Fragmente wieder angeklebt und einige Fehlstellen mit pigmentiertem Mörtel geschlossen. Die weiße Farbfassung wurde mit einer Acrylharzdispersion gefestigt. Stilistisch entstammt die Skulptur dem Barock und dürfte im 18. Jahrhundert gefertigt worden sein. Solche Figuren wurden üblicherweise als Gartenschmuck verwendet


schaumainkai13


Entweder standen sie erhöht auf einem Postament in der Gartenanlage oder in einem Gartengebäude. Davon ausgehend, dass der Fundort dem früheren Aufstellungsort entspricht, lässt sich unter Einbeziehung historischer Karten und Stiche das Anwesen und dessen Besitzer ermitteln, in dem die Skulptur aufgestellt war. Unter der Adresse „Schaumainkai 13“ – die Bezeichnung des Grundstückes vor dem Bau der Untermainbrücke in den Jahren 1872 – 1874 – findet sich in der grafischen Sammlung des Historischen Museums Frankfurts eine Hausansicht des Malers Johann Heinrich Wicker (1723 – 1786). Diese datiert aus dem Jahr 1770 und nennt als Besitzer des Gebäudes einen Herrn Fuchs. Einen Eindruck des Sachsenhäuser Ufers um 1770 mit seinen Gartenhäusern vermittelt die Zeichnung der Mainansicht von Johann Kaspar Zehender (1742 – 1805), in der das Anwesen der Familie Fuchs deutlich zu erkennen ist.

Mit dem Bodenfund der Frankfurter Gartenskulptur konnten die besonderen Möglichkeiten der Neuzeitarchäologie durch die Verknüpfung von Bodenfunden mit literarischen und bildlichen Quellen eindrucksvoll genutzt werden.

Thomas Flügen