Herausforderung für Restauratoren

Die Kaianlage der Stauferzeit

Die im Hof des Historischen Museums ergrabene mittelalterliche Kaianlage ist deutschlandweit einzigartig. Die Materialkombination der Anlage stellt eine Herausforderung an die Konservierung dar. Zum Schutz des archäologischen Denkmals wurde ein innovatives Konzept entwickelt, mit dem die Denkmalpflege Neuland betritt.

Der staufische Saalhof ist eines der herausragenden Baudenkmale der Stadt. Errichtet im ausgehenden 12. Jahrhundert, ragte der südlich gelegene Wohnturm ehemals als Hafenburg in den Main. Nach Westen schloss sich eine Hofmauer an, der ein zwei m breiter, gepflasterter Kai vorgelagert war. Die Kaianlage war zum Schutz vor Eisgang und anlegender Boote und Flöße direkt am Ufer mit einem Holzbalken ausgestattet.


In den folgenden Jahrhunderten wurde das Stadtgebiet erweitert und die Uferlinie kontinuierlich nach Süden verlagert. Aus diesem Grund lag bereits die Stadtmauer des 14. Jahrhunderts rund 18 bis 20 m südlich der Kaimauer. Diese Grenzlinie ist in den südlichen Fassaden des barocken Bernusbaus und des jüngeren Burnitzbaus ablesbar. Diese Gebäude bilden heute zusammen mit dem Saalhof und weiteren Bauten das Historische Museum der Stadt.
Im Rahmen von Um- und Neubauten konnte die Kaianlage im Hof des Museums erfasst werden. Bis 2012 wurde das Denkmal auf einer Länge von 40 m freigelegt (Abb. 1).


Wegen der außerordentlichen Seltenheit des Befundes, der sich nur aufgrund der besonderen Stadtentwicklung erhalten hat und bisher in keiner anderen Stadt Deutschlands Parallelen findet, wurde eine Umplanung des Museumsneubaus beschlossen (vgl. Fundgeschichten. Archäologie in Frankfurt 2012/2013).
Die Kaianlage wird in ihrer zukünftigen Präsentation – eng umschlossen vom Museumsneubau – in einem Innenhof für den Besucher zu sehen sein. Ein künstlich nivellierter Wasserspiegel wird bis an die Kaimauerkrone, dem Holzbalken, anstoßen und somit die Ufersituation simulieren. Hierzu ist es nötig, den kompletten Ausgrabungsbefund mit Betonwänden zu umschließen. Besonders die Materialkombination, aus der die Kaianlage errichtet wurde, nämlich Holz, Mörtel und Stein, stellt eine Herausforderung an die Konservierung dar. Hierzu wurde ein Konzept durch den Restaurator H.M. Hangleiter, den Biologen Dr. M. Warscheidt und die Restaurierungswerkstatt des Archäologischen Museums erarbeitet. Darin wird im Einzelnen beschrieben, welche Maßnahmen nötig sind, diesen einmaligen archäologischen Bodenfund, trotz freier Bewitterung, zu erhalten. Zum einen sind Stein und Mörtelergänzungen in der staufischen Mauer und dem Kieselpflaster vorgesehen, um stauende Nässe zu verhindern, die zu Frostschäden führen könnte. Zum anderen soll der Pflanzenbewuchs und vor allem die Zersetzung des Holzbalkens durch gezielten Einsatz von Kupferionen mit biozider Wirkung minimiert werden. Gerade diese Maßnahme kann als innovativ bezeichnet werden, da sie im Bereich der Denkmalpflege bisher noch nicht gezielt eingesetzt wurde.

Abb. 2: Das 2015 ergrabene Teilstück der Uferbefestigung (© Denkmalamt Frankfurt)


Der experimentelle Charakter dieses Konservierungskonzeptes birgt natürlich aufgrund fehlender Erfahrungen ein erhöhtes Risiko von Schäden am Objekt, was allen Beteiligten im Vorfeld vermittelt wurde. Um dieses Risiko zu minimieren, ist eine regelmäßige Kontrolle des Bodendenkmals unerlässlich. Dabei werden neben der optischen Kontrolle verschiedene Messverfahren und chemische Analysen zum Einsatz kommen. Auf Grundlage der auf diese Weise gewonnenen Informationen wird dann entschieden werden können, ob und welche zusätzlichen konservierenden Maßnahmen eingeleitet werden müssen.
Auf einer Internationalen Restauratoren Tagung Anfang 2015 wurde das Konservierungskonzept vorgestellt und rege diskutiert. Nun sind mittlerweile die Arbeiten am Rohbau des Museums fertiggestellt, was die Kaianlage in einem schützenden, stetig durchfeuchteten Sandbett gut überstanden hat.
Im Vorfeld der Errichtung der umgebenden Betonwände konnten weiter Flächen archäologisch untersucht werden. Dabei wurde ein fünf m langer Abschnitt der Kaianlage sowie Teile der Flächen südlich vor der Mauer bzw. dem Balken ausgegraben (Abb. 2). Der Erhaltungszustand sowohl von Mauer, Pflaster als auch des Balkens war erfreulich gut und zeigte erneut die hohe Qualität der Anlage. Ein weiteres, senkrechtes Holz zur Befestigung des Balkens sowie kleinere Löcher, wie sie bereits weiter westlich nachgewiesen wurden, konnten dokumentiert werden.
In der Folge wurde der Rohbau des Wasserbeckens betoniert (Abb. 3). Diese Arbeiten erforderten die dauerhafte Anwesenheit des örtlichen Grabungstechnikers Denis Neumann.

Abb. 3: Eine Schicht aus Geotextil und Sand schützt den Grabungsbefund während der Baumaßnahmen. Für die bevorstehenden Arbeiten an der Fassade des Neubaus werden weitere Schutzmaßnahmen getroffen (© Denkmalamt Frankfurt)


Um das archäologische Denkmal während der folgenden Fassadenarbeiten zu schützen, wird die Kaimauer mit einer Holzkonstruktion eingeschalt und die Staufermauer durch eine Gerüstkonstruktion überbaut. Die eigentlichen Restaurierungsmaßnahmen werden dann im Sommer 2016 beginnen.

 

Thomas Flügen und Andrea Hampel

Abb. 1: Der Grabungsplan der Kaianlage (© Denkmalamt Frankfurt)