Zum 2000. Todestags des römischen Kaisers

Augustus in Hessen

“Archäologische und historische Quellen zum 2.000 Todestag des Kaisers“ war der Untertitel einer Veranstaltung, die sich am 20. August in der überfüllten Karmeliterkirche dem Gedenken des römischen Herrschers widmete, der von sich behauptete:
„Germanien habe ich befriedet“ (Augustus; res gestae, 26 / vor/um 14 n. Chr.).


Diese Aussage nahmen die beiden Vortragenden zum Anlass, den Spuren der expansiven Politik des Augustus auch im hessischen Teil Germaniens nachzugehen. Insbesondere die jüngsten Grabungen des Frankfurter Denkmalamtes in Höchst ermöglichten es, das Rad der Geschichte an diesem Abend rund zweitausend Jahre zurück zu drehen. Unter der Höchster Altstadt lag eine ausgedehnte römische Anlage, die in der sich im Aufbau befindlichen neuen Provinz eine wichtige Rolle spielen sollte. Aus dem Süden importiertes Tafelgeschirr, Amphoren, aber auch Waffenteile, belegen dort eine für diese Zeit typische Siedlung mit einer starken militärischen Prägung. Die Vorstellung ausgewählter Höchster Funde aus der römischen Abteilung des Archäologischen Museums bildete die Grundlage der Veranstaltung – Zitate zu Leben und Wirken des Kaisers ergänzten die Präsentation. Die Büste des Herrschers, umgeben von Trauerlorbeer, den die Frankfurter Friedhofsgärtner zur Verfügung gestellt hatten, vervollständigte die Inszenierung. Es galt dabei die Stationen eines Epoche machenden Lebensweges aus der Sicht antiker Autoren zu skizzieren, aber auch den Kaiser selbst zu Wort kommen zu lassen:
„Mit 19 Jahren habe ich aus privater Initiative und aus eigenen Mitteln ein Heer aufgestellt, mit dem ich dem Staatswesen, das durch die Gewaltherrschaft einer politischen Machtgruppe unterdrückt wurde, die Freiheit wiedergab.“ (Augustus; res gestae, 1 / vor/um 14 n. Chr.).


Auch Augustus als herausragende Persönlichkeit seiner Zeit musste sich gefallen lassen, dass sein facettenreicher Charakter genau ausgeleuchtet wurde:
„Der Mann hatte ein umgängliches und heiteres Wesen, wobei er nicht wenig von der Vergnügungssucht und Gier nach Spielen entbrannt war sowie von einem maßlosen Schlafbedürfnis.“ (Sextus Aurelius Victor (ca. 320-390 n. Chr.), epitome de caesaribus, historiae abbreviatae 4).
Zu Kernfrage des Abends führte folgendes Zitat:
„Die Römer ... gründeten Städte, und die Barbaren passten sich an ihre Ordnung an, gewöhnten sich an Märkte und trafen sich in friedlichen Versammlungen.“ (L. Cassius Dio Cocceianus (um 163-nach 229 n. Chr.), 56, 18, 1-2).
Dies belegt aufs Beste die Anlage in Höchst, in der auch Germanen gewohnt haben müssen. Von hier aus war es zudem möglich, über den Wasserweg der Nidda die Wetterau mit Gütern zu versorgen. Die scheinbar friedliche Entwicklung fand aber durch die „Schlacht im Teutoburger Wald“ im Jahre 9 n. Chr. ein abruptes Ende:
„Schwere Einbußen und Niederlagen hat er überhaupt nur zwei und nirgendwo sonst als in Germanien hinnehmen müssen; die des Lollius und des Varus.“ (G. Suetonius Tranquillus (um 70-nach 122 n. Chr.), de vita caesarum, Augustus 23).
Allerdings ist keineswegs erwiesen, dass der germanische Aufstand in Norddeutschland auch auf das Rhein-Main-Gebiet übergriff. Spuren der römischen Besatzung verlieren sich dort jedenfalls unter der Herrschaft von Tiberius, der 14 n. Chr. Augustus auf dem Thron nachfolgte. Erst zwei Generationen später werden Teile Hessens für zwei Jahrhunderte wieder römisch, als Vespasian 73/74 n. Chr. seine Truppen in Südwestdeutschland einmarschieren ließ.
Augustus, der seine Herrschaft im Inneren wie in den Provinzen mit Gewalt und Diplomatie begründete, aber auch Kunst und Kultur zu einer außergewöhnlichen Blüte verhalf, hoffte an seinem Lebensende offenbar auf ein gnädiges Urteil der Nachwelt :
„Wenn Euch das Ganze wohl gefallen hat, so klatscht Beifall, und gebt mir alle als Freunde das Geleit.“ (G. Suetonius Tranquillus (um 70-nach 122 n. Chr.), de vita caesarum, Augustus).

Peter Fasold und Carsten Wenzel

Die beiden „Trauerredner“ vor der Büste des Augustus (© K. Hofmann, AMF).